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Pure Fun - WARC Leg 4 Galapagos zu den Marquesas Tag 3



Auf der WORLD ARC (WARC) läuft der vierte Abschnitt. Von Galapagos geht es getragen vom Humboldt Strom durch die windarme wie auch regenreiche ITCZ zur südlichen Passatwindzone. Die Strecke beträgt 2.900 nm. Heute nach 72 Stunden / 3 Tage auf See liegen davon bereits 636 nm im Kielwasser. Jedoch stehen auf der Streckenloge nur 530 nm. Ach wie viel davon war Thema der theoretischen Segelausbildung für Fortgeschrittene. Hier erleben wir es live. Die Wolkenkunde wird lebendig. An Bord wird abgeglichen mit den spärlichen Informationen auf See, mit dem Ausbildungswissen sowie mit der bisherigen Erfahrung.
Nachts riss der Himmel auf. Sterne waren zu sehen. Der Wind veränderte seine Richtung und insbesondere seine Intensität. Deutliche Zeichen, wir haben die ITCZ durchfahrenen und das schon bei etwas unter 04 Grad Süd. Top.

Mein Tag began dann auch gleich mit einem Salzwasserregen im Bad. Ungewollt und doch stark energetisierend. Sybille legte sich aufs Sofa im Salon und stand den Tag über auch nicht mehr auf. Es ging ihr weniger gut. Kopfschmerzen und ein Magen-Darm-Virus nahmen ihr alle Energie.
Es hatte innen schwüle 35 Grad. Strom war notwendig. Der Generator lieferte genügend Strom um nebenher noch ein Klimagerät zu betreiben. Selten bisher noch in Kombination mit dem Generator auf See genutzt. Das Display zeigte HP und das Gerät lieferte die von Sybille so geschätzte Kälte nur sehr punktuell. So gab es Arbeit für mich. Gott sei Dank.😄 Wie wäre ein Männerleben ohne Projekte. Also Ärmel hoch, Deckel auf und ach wie war das nochmal.🤷‍♂️ Ja das Seeventil sollte offen sein. Das war es, jedoch schon länger und man konnte im Sichtglas bis zum tiefen Blau des Meeres durchschauen. Also entlüften. Der Speed der letzten Zeit hat das Wasser rausgezogen. Entlüften bis das Salzwasser frisch ins Boot läuft und dann ganz schnell die Schrauben wieder zu. Geklappt. Das System noch entlüften war angesagt, mit Geduld und schrittweise. So kam die Aircon zum laufen. Die Frau des Bootes war zufrieden und der Mann so etwas entspannter.

Das war das Projekt für den Feierabend. Danach war's gut für den Tag.

Morgens Wasser im Bett, Tags eine kranke Frau, die die Versorgung und Mithilfe für 24 Stunden mit sich niederlegte, und Abends eine streikende Klima das wäre ja schon reichlich für einen heiteren Tag auf dem Pazifik gewesen. Nein es sollte noch nicht reichen. Seit dem ersten Kaffee zeigten sich diese süßen kuscheligen Schäfchenwolken am Himmel, der Skipper etwas ausgeruht und ein neuer Gennaker im Segelkeller. Na klar der neue Rote wurde Tags ausgepackt. Wir gingen es gemeinsam an. Das Segel mit seinen 56 Kg wurde mit einem Fall vorsichtig aus dem Segelkeller gehieft, gedrückt, gezogen, gezerrt. Ja der Segelsack war etwas größer als die Öffnung durch die er sollte. Rein gings, also war er auch nach einiger Zeit wieder draußen. Die Leinen wurden angeschlagen. Das Groß und die Genua zogen die Pure Fun zügig durchs Wasser. Es war schon gut warm. Zur Kühlung schickte Neptun uns, Elly und mir, von Zeit zu Zeit einen feuchten Gruß mit 28 Grad aus seinen Gefilden zur Kühlung auf das Vordeck. Das Segel sollte hoch und wir sind Seeleute also nahmen wir die Erfrischung als Motivation voranzukommen auf. Trotz allem Engagement Floß so mancher Liter in die Segellast.

Alles war vorbereitet. Das neue rote Segel konnte gesetzt werden. Es hatte 15 kn achterlichen Wind und blauen Himmel. Ein besonderer Moment. Also Genua einrollen. Den Gennaker die 25 Meter bis zur Mastspitze hochziehen, den Bergeschlauch hoch, das Tuch öffnet sich dann kann man losrauschen. So der Plan. 🙃

Beim Setzen zeigte sich, der neue Bergeschlauch ist deutlich kürzer als das Segel. Das Segel im Schlauch war nach kürzester Zeit ganz oben. Aber die Leine um den Bergeschlauch hoch und runter zu bewegen war am Kopf des Segels verdreht. Wird schon, wird sich aufdrehen oder halt irgendwie gehen. Also Leine ziehen und losgehst.

Bis zur Hälfte konnte der Schlauch nach oben gezogen werden dann ging es doch etwas schwerer. Stopp das ist zu Prüfen so der Gedanke. Aber es ging nicht so richtig. Schauen, bewegen und dann halt etwas stärker. Ein paar Meter kam der Schlauch. Die Holeleine lief über eine Umlenkroll am Vordeck und wurde mit Knoten und auf der Klampe gesichert.

Ich zog runter. Der Gennaker zog hoch. Unterhalb des Kragens des Schlauches war er leuchtend rot zu einem vollen Ballon aufgeblasen. Jedes atmen des Ballons wurde zum runterziehen der Leine genutzt. Es ging wie im Kampf mit einem sehr großen Fisch an der Angel. So ging es manchmal 30 cm oder auch mal 50 cm weiter. Irgendwann war Schluss. Es ging nichts mehr. Ach ja die Leeschott fiel dabei noch ins Wasser. Sie nahm den direkten Weg vom Schothorn unter dem Rumpf bis zur anderen Seite. Der Kiel verhinderte noch ein weiteres abtreiben Richtung Ruderanlage. Durch die Fahrt war so viel Zug auf der Leine, dass die nicht mehr über den Bug zurückgeholt werden konnte. Dafür zog sie den Gennaker am Schothorn nach vorne. Prima, so hatte ich auf dem Vordeck einen weiteren Gegenspieler. Die Leine erhöhte immer wieder den Druck im Segel. Verschiedene Möglichkeiten Druck aus dem Segel zu nehmen wurden versucht.

Irgendwann kam bei jedem der Gedanke, das wird wohl nichts mehr, der schöne neue Rote ist dem Meer zu opfern. Erst am Abend kam das raus. Tags kämpften wir zu Dritt, Elly, Mahina und Mathias, um das Segel. Jede Entspannung, jede Schwäche des Segels wurde genutzt um den Schlauch wieder ein paar Zentimeter runter zu bekommen. Tatsächlich haben wir es nach zähem Kampf geschafft.

Heute sind Blasen zu lecken und der Neue liegt fest vertäut vor der Sprayhood und dient als Kopfkissen zum Anlehnen. Vor dem nächsten Einsatz sind die Ursache für diese Schwierigkeiten zu klären. Das hat Zeit.

Was war das für eine erste Hälfte des dritten Tag auf dem Pazifik. Die zweite Hälfte verlief ganz ruhig. Schönes Segeln mit Passatwind. Morgens um Sechs Uhr kommt der Statusbericht. Der Großteil der WARC Flotte fährt hinter uns. Lediglich die Fatjax ist schon weiter. Sybille schrieb ja schon über das Boot. Deren Abstand wurde gestern größer. Die fuhren zur Zeit der Messung mit 10,2 kn und uns reichte der Wind kaum noch für 8 kn.

So Schäfchenwolken mit warmen 12 kn Wind von schräg hinten und ein andres Boot vor einem. Was für ein wunderbares Setting mal wieder einen Gennaker zu fahren. Den gelben. Repariert. Mit seinen 270 qm reichlich Fläche für 20 Tonnen Schiff und moderaten Wind. Ich spreche den Gedanken beim Kaffee aus. Sybille, die den Tag davor schlafend erlebte, sagt, aber es segelt sich doch so schön.....stimmt, und oft klappt es mit dem Gennaker nicht (manchmal) und wir verlieren nur Zeit auf die F.... ( so war es am 2. Tag, llleider). Das durfte so nicht in Erinnerung bleiben.

Ich bereitete den Gelben vor. Mit der gesamten Crew wird das Manöver, Genua rein und Gennaker setzen, besprochen und dann ging es los. 20 Minuten später stand der Gelbe und es ging voran. Zumindest ein, zwei Knoten, also 2 bis 4 KM/H schneller und etwas direkter zu unserem Ziel den zauberhaften Marquesas entgegen. Ja das sind die vier, fünf Inseln, ganz klein, auf der Karte fast nicht zu sehen und noch 2.400 nm vor uns.

Und es hat geklappt. Der Gennaker zieht uns nun seit 6 Stunden fleißig atmend Richtung Westen. Was für ein entspanntes Segeln - wenn alles klappt so wie heute.🤣😉 Auch Sybille geht es wieder besser. Sie hat zu Mittag eine leckere Brokkoli, Tomaten, Bohnen Quiche auf Salz-Öl- Quark Teig oder so gezaubert.

Sicher fiel es schon auf. Heute schrieb Mathias.

Sy-purefun.Blog


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